Mut zur Veränderung!

Seit zwei Jahren sind wir in einer weltweiten Pandemie. Welche Auswirkungen hatte diese auf das Alpbachtal?

Kostner: Zu Beginn wusste man ja nicht, was da auf uns zukommt. Jeder dachte, das Ganze wäre nach zwei Monaten vorbei. Weit gefehlt. Wir haben viel gelernt. Denn bereits im Sommer 2020 zeichnete sich ein Trend deutlich ab. Nämlich, dass die Qualität noch mehr als früher zählt. Unabhängig von der Kategorie der Unterkunft. Jene, die immer schon auf Qualität gesetzt haben, konnten trotz dieser schwierigen Zeit Nächtigungen und Wertschöpfung produzieren.

Sie haben die Qualität angesprochen. Können Sie das präzisieren?

Kostner: Zunächst möchte ich klarstellen, dass die Qualität unabhängig von der Größe und Kategorie des Betriebes ist. Wenn ich von guten Betrieben spreche, meine ich immer Vermieter in allen Kategorien, von denen wir einige haben. Aber es bleibt ein großes Manko unserer Region, dass wir zu wenig professionell arbeitende Betriebe haben. Wenn man einen hohen Anteil von qualitativ niedrigen Nächtigungsmöglichkeiten hat, dann leidet die gesamte Region darunter. Je mehr gewerbliche Betriebe es gibt, desto größer ist auch der Vorteil für jene, die nebenberuflich vermieten. Die Kleinen profitieren von den Top-Betrieben.

Was hat sich bei den Urlaubern durch die Pandemie geändert?

Kostner: Das „neue Normal“ zeichnet sich für mich in der Flexibilität ab. Menschen sind es heute gewohnt, sich mit kurzfristig ändernden Gegebenheiten umzugehen. Das haben wir alle in der Pandemie gelernt. Morgen kann alles anders sein als heute. Darauf müssen Vermieter reagieren.

Welche Trends zeichnen sich ab?

Kostner: Gäste sind in ihrer Urlaubsgestaltung unglaublich flexibel und spontan geworden. Sie erwarten eine hohe Qualität

und Unkompliziertheit in ihrem Urlaub. Die tatsächlichen Online-Buchungen sind im Zuge der Pandemie explodiert. Das bedeutet auch, wer heute nicht buchbar ist, den wird es bald nicht mehr geben. Nur 55% unserer Betriebe sind derzeit buchbar. Das muss sich ändern.

Wie wollen Sie das ändern?

Kostner: Dafür haben wir den Vermietercoach, um diese Betriebe an die Hand zu nehmen. Es ist schon lange nicht mehr die Aufgabe des TVB’s, die Betten der Betriebe zu füllen. Der TVB ist verpflichtet die Region in die Auslage zu stellen. Der Vermieter muss selbst Maßnahmen ergreifen, damit er in die engere Wahl des Gastes kommt. Wir als TVB haben die Aufgabe, jeden interessierten Vermieter mit allen notwendigen Systemen in das 21. Jahrhundert zu holen. Die richtige Beratung, mit dem Ziel, provisionsfreie Direktbuchungen zu erzielen, ist hier unsere größte Herausforderung.

Wo sehen Sie Nachholbedarf?

Kostner: Den sehe ich im Umgang mit der Aufenthaltsabgabe. Vermieter müssen verstehen, dass die Aufenthaltsabgabe kein Teil von ihrem Umsatz ist. Sie müssen Selbstbewusstsein entwickeln, die Aufenthaltsabgabe aus dem Zimmerpreis herausnehmen und dies dem Gast kommunizieren. Das funktioniert auf der ganzen Welt so.

Und wie soll man das dem Gast erklären?

Kostner: Wenn eine Leistung – wie bei uns die Alpbachtal Card – hinterlegt ist, und der Gast sich wohl fühlt, dann ist das alles überhaupt kein Problem. Jede Online Buchungsstrecke kann das. Wer da noch Hilfe und Beratung braucht, auch dafür gibt es den Vermietercoach, der gerne hilft.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Kostner: Ich wünsche mir eine höhere Wertschätzung dem Tourismus gegenüber. Auch von scheinbar dem Tourismus fernen Wirtschaftstreibenden. Denn nur wenn jedem bewusst wird, dass der Tourismus nach wie vor einer der wichtigsten Wirtschaftsmotoren ist, die wir haben, dann profitieren wir alle in der Region. Dazu gehört auch die Nachhaltigkeit in Form von regionalen Produkten aus der Landwirtschaft. Tourismus, Wirtschaft, Landwirtschaft und die Bevölkerung können nur profitieren. Und ich wünsche mir Mut zur Veränderung.

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Frank Kostner

Frank Kostner (geb. 1974), gelernter Touristiker. Seit Kindesbeinen an im Geschäft. Steht für zeitgemäßen und innovativen Geschäftssinn und Tourismus. Bevorzugt pragmatische Herangehensweise und Lösungen. Gegenwind ist sein Antrieb. Motto: Gebremst schneller und besser zu sein,
_ während andere bereits am Anschlag Gas geben!

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